
Die kleine Kuh Beate lebte mit ihren vier großen Schwestern auf einer wunderschönen, sonnigen Weide. Überall wuchsen bunte Blumen und saftige Kräuter. Beate konnte den ganzen Tag gemütlich grasen und die Sonne genießen.
Aber obwohl sie es so gut hatte, war Beate unglücklich, denn sie war viel kleiner als ihre vier Schwestern und wurde deshalb jeden Tag von ihnen verspottet.
„Aus dir wird nie eine richtige Milchkuh!“, riefen sie. „Schau uns an! So groß und stark müssen Kühe sein. Du bist viel zu klein und mickrig.“
Beate fraß und fraß, aber sie wurde einfach nicht größer. Aber mit jedem Tag wurde sie trauriger.
Eines Nachts konnte sie vor lauter Kummer nicht schlafen. Sie stand unter einem großen Baum und muhte leise vor sich hin. Da schaute der gute alte Mond auf sie herab.
„Komm mit, kleine Beate“, flüsterte er freundlich. „Ich möchte dir etwas zeigen.“
Der Mond schickte einen silbernen Lichtstrahl hinter ein kleines Wäldchen. Beate folgte ihm vorsichtig. Dort stand etwas ganz Seltsames: ein großes rundes Ding mit vier Beinen.
„Was ist denn das?“, fragte Beate staunend.
Zwei Igel kamen neugierig näher.
„Ha, das ist ein Trampolin!“, sagte der eine Igel. „Da kannst du drauf hüpfen. Ganz hoch in die Luft! Das macht riesig Spaß.“
„Los! Probier es aus!“, rief der andere Igel.
Beate kletterte vorsichtig auf das Trampolin. Zuerst war es ganz wackelig, und sie setzte sich schnell hin. Aber dann wurde sie mutiger. Sie stand auf, wippte ein bisschen und machte ihren ersten kleinen Hopser.
Und dann noch einen. Und noch einen!
Mit jedem Sprung flog sie höher und höher. Ihr Bauch kribbelte vor Freude, und zum ersten Mal seit langer Zeit konnte die kleine Kuh Beate wieder lachen.
Der gute alte Mond freute sich mit ihr und sagte:
„Siehst du, Beate, manchmal ist es ein Vorteil, klein und leicht zu sein. Deine großen Schwestern sind viel zu schwer für das Trampolin. Sie könnten nie so hoch springen wie du.“
Zurück auf ihrer Weide legte sich Beate mit einem Lächeln unter einem Baum schlafen. Und sie lächelte noch immer, als sie am nächsten Morgen aufwachte und an ihr kleines Abenteuer dachte. Und wenn ihre größeren Schwestern sich über sie lustig machten, dann lächelte
Beate sie einfach nur an und kümmerte sich nicht um ihr Gemecker. Mit der Zeit wurde es für die größeren Schwestern langweilig, Beate zu verspotten, und sie ließen sie in Ruhe grasen.
Die Wochen vergingen. Eines Nachts schaute der gute alte Mond wieder auf die Weide herab und sah fünf große, schöne Kühe friedlich unter einem Baum schlafen. Man konnte sie kaum noch unterscheiden, denn Beate war keine kleine Kuh mehr. Sie war endlich genauso groß wie ihre Schwestern geworden. Aber das fröhliche Lächeln auf ihrem Gesicht, das war geblieben.
Text und Illustration von Micha Klann