Gedanken über meine alte Gartenbank

Ein Platz zum Verweilen und Träumen

Wenn sie sprechen könnte, welche Geschichten würde sie wohl erzählen? Schon so viele Jahre steht sie in unserem Garten, ein stiller Zeuge der Jahreszeiten – Sommers wie Winters.  Ihre Holzmaserung erzählt von der vergangenen Zeit, von den vielen Sonnenstrahlen und Regentropfen, die sie umhüllt haben. Flechten, wie filigrane Spitzen, schmücken die alte Dame und ihre Farbe hat sich zu einem sanften Silbergrau verwandelt.

Unter der schützenden Krone der Eberesche und der Haselnuss, neben einer namenlosen, stacheligen Rosenschönheit, steht sie, ein stiller Beobachter des Lebens im Garten.  Hat man sich auf ihr nieder gelassen, kann man den Ausblick auf den Gartenteich genießen und den Vögeln beim Baden zuschauen. An heißen Sommertagen bietet sie ein willkommenes schattiges Plätzchen, ein Rückzugsort vor der Hitze.  Auch der Hund sucht dort Zuflucht, legt sich aber lieber unter die Bank, wo der Boden kühl und feucht ist, und träumt von Abenteuern. Doch nicht nur Menschen und Tiere finden Ruhe auf der alten Bank.  Sie ist auch ein beliebter Treffpunkt für die Vögel.  Letztes Frühjahr, als die ersten Blüten sprossten und die Luft nach Frühling duftete, beobachtete ich eine Meisen-Mutter, wie sie ihre vier kleinen Vogeljungen dort versammelte, um sie zu füttern.  Die flaumigen Schreihälse saßen mit aufgerissenen Schnäbeln auf der Rücklehne der Bank, wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Leider hat man in so einem Moment nie die Kamera griffbereit. Wenn der Sommer sich dem Ende neigt und der Herbst mit seinen kühlen Winden Einzug hält, werden die Gelegenheiten seltener, sich auf der Bank auszuruhen.  Sie wird zu einem harmonischen Akzent in der Gartenlandschaft, ein stiller Zeuge des Wandels der Natur.  Das leuchtend gelbe Laub der Eberesche bildet einen Teppich um ihre Füße, rote Beeren und braune Haselnüsse säumen den Boden.  Und im Winter, wenn der Garten von einer weißen Schneedecke bedeckt ist, ruht sie friedlich unter dem Schnee, wie im Schlaf.

Wenn ich dann aus dem Fenster schaue und in den kahlen Garten auf die alte Bank blicke, empfinde ich ein Gefühl von Harmonie und Vorfreude.  Ich denke an die vielen Sommertage, die ich dort verbracht habe, und an die Sommertage, die noch kommen werden.

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